Apalín - Bericht über die Tröpfchenbewässerung

Bericht über die Tröpfchenbewässerung
2016 bekamen wir von euch 6500 € für die Installation einer Tröpfchenbewässerung in Apalín. Bei einer Dorfversammlung zeigten sich alle sehr dankbar und entschieden sich, die anfallenden Arbeiten gemeinsam durchzuführen.
Es bestand Einigkeit, dass wir das Wasser aus der 2015 mit eurem Geld gekauften Quelle für zweierlei verwendeten: als Trinkwasser für die Schule (Kindergarten, Primar- und Segundarschule) und zur Bewässerung des Schulgartens. Wie ich schon früher berichtete, zogen wir in nur einem Tag mit der gesamten Bevölkerung Apalíns und der umliegenden Orte den Graben und an einem weiteren Tag legten wir die Rohre. Das war eine große und fröhliche Minga (Gemeinschaftsarbeit).
In einer weiteren Dorfversammlung beschlossen wir, eine Quellfassung und ein Reservoir zu bauen. Aus dem Reservoir fließt ein Teil des Wassers in den Hochtank an der Schule, den wir auch mir eurer Hilfe bauten und der andere Teil geht in die Tröpfchenbewässerung. Für den Bau des Reservoirs mussten wir einen Maurermeister holen, da sich das unsere Eltern nicht allein zutrauten. Dieser Meister musste allerdings zuerst in seiner eigenen Gemeinde eine Trinkwasser-anlage fertigstellen, was uns ziemlich in Verzug brachte. Doch seine Arbeit gelang sehr gut. Nur ein paar Eltern aus Apalín kamen nicht besonders gewissenhaft zu ihrer Arbeit. Sie wollten für ihre Mitarbeit bezahlt werden. So etwas gab es früher nie, das kommt durch den Einfluss der Minen. Immer mehr entsteht dieses neoliberale Denken und verdrängt den Zusammenhalt des Dorfes, wie er sich jahrhundertelang in der Minga dokumentierte. Für eine Gemeinde ist das ein sehr schädlicher Prozess, der die soziale und kulturelle Identität zerstört.
Die Unzuverlässigkeit dieser Eltern ärgerte den Meister so sehr, dass er noch vor der Fertigstellung des Reservoirs ging und wir einen anderen Fachmann suchen mussten, der allerdings nur an den Wochenenden arbeiten konnte, weil er während der Woche in Cajamarca beschäftigt war.
Leider beobachte ich auch in unseren Gemeinden, dass sich eine Logik des Marktdenkens, eine merkantilistische und kapitalistische Denkweise ausbreitet. Das hat seinen Grund in der Politik der Zentralregierung, die unsere Landbevölkerung ausbeutet und der Willkür der Transnationalen überlässt. Die ganze Region Cajamarca ist geteilt: die einen sind für die Bergwerke, weil sie kurzfristig daran verdienen, die anderen für den Erhalt der Umwelt und unseres Trinkwassers. Die Minen nutzen alle Medien, um ihre vagen Versprechen zu verbreiten.
Wir hatten noch Glück, weil wir sauberes Wasser bis zur Schule verlegen konnten und jetzt nicht mehr angewiesen sind auf die Dorfleitung, die nur noch mit Schwermetallen belastetes Wasser liefert und das zu unmöglichen Zeiten: nachts um drei Uhr oder am Wochenende. Jetzt haben wir unser eigenes Wasser zu jeder Tageszeit. Besonders freut uns, dass unsere Quelle nicht - wie viele andere – während der großen Trockenzeit versiegte. Wir hoffen, dass sie uns lange erhalten bleibt.
Ihr wisst ja, dass unsere Schule den ministeriellen Vorgaben gegenüber eine kritische Position einnimmt, eine der Situation angemessenere: wir möchten die Schüler in ihrem kulturellen Kontext durch praktisches Tun erziehen. Theoretisch sagt das Bildungsministerium das Gleiche, doch der Unterschied liegt darin, dass wir sehr konkrete Aufgaben aus ihrem Leben wählen, die sie jetzt und in Zukunft bewältigen sollen. Zu diesen praktischen Arbeiten gehört der Garten- und Feldbau, denn alle Bewohner hier leben von ihren Feldern. Würden wir an der Küste leben, dann wäre unser Schwerpunkt vielleicht das Meer. Doch hier ist es die Erde, die wir kultivieren.
Mit den Eltern haben wir vereinbart, dass wir im neuen Schuljahr den Schulgarten und unser Feld intensiv bewirtschaften werden. Dazu haben wir die Unterstützung des Landwirtschaftsinstituts erbeten, damit sie uns bei der Installation der Tröpfchenbewässerung helfen. Mal sehen, wie weit die übrig gebliebene Summe von 1.143,40 S/ reichen wird. Zwar ist uns bewusst, dass dieses Projekt uns große Anstrengungen abverlangt, doch trotz aller Zweifel sind wir davon überzeugt, dass es gelingt, weil wir ja schon vielfältige Erfahrungen im Landbau gemacht haben.
Wir werden weiter an einer besseren Welt arbeiten und Erfolg haben! Das Jahr 2017 wird in der Schule Apalíns einen Umbruch bringen. Wir laden euch ein, hierher zu kommen und zu sehen wie wir anpacken und die Ergebnisse zu würdigen. Euch unter uns zu haben, würde uns sehr freuen und in diesem flüchtigen Leben mit Stolz erfüllen.
Carlos Arana Cerna